Ein Verein entsteht
Der Zweite Weltkrieg war vorüber. In der letzten, noch unbesetzten Zone Deutschlands entwaffnete sich das Militär. Die Seen lagen voller Munition und Kriegsgerät. Die Torpedoversuchsanstalt (heute djo-Jugendfreizeitstätte Bosau) schoß nicht mehr in Richtung Stadtbek-Pehmen. Der Segelsport, der besonders in Plön, aber auch ein wenig in Bosau beheimatet war, lag darnieder.

links: Alter Zeltplatz
Fischer Wilkens hatte noch ein Motorboot, ein Bauer aus Godau tuckerte mit einem umgebauten P4-Motor wöchentlich zum Einkaufen nach Plön, von Sepel besorgte man sich seine Rationen per Ruderboot. Nehmten besaß noch die schweren Arbeitsboote zum Reetschneiden, das der Betrieb selbst verbrauchte und zum Teil auch verkaufte. Die Stadtbeker Straße war bis auf zwei kleinere Häuser unbesiedel.
Nachdem das Überleben gesichert war, wurde auch der Wunsch nach Freizeitaktivitäten größer. Der See war größtenteils von Munitionstauchern abgesucht, so dass man am Plöner See wieder Urlaub machen konnte. So kaufte ein Herr Barfknecht einen ehemals zur Dunkerschen Kate gehörigen Streifen Ödland am Wasser und ein Stück Wiese oberhalb dieses Grundstücks.
Am Ufer baute er das "Strandkaffee", ein Motel- und Gaststättenbetrieb – die "Urzelle" der SGFB. Viele Menschen verbrachten hier den Sommer in Zelten, Wohnwagen und den kleinen Bungalows des Motels. Für den Wassersport war ein Steg vorhanden.

links: Bungalows des Motels
Später ging das Anwesen an die Holsten-Brauerei. Angedacht war, hier einen Fähranleger zu bauen. Der Betrieb bekam den Namen Fährhaus Bosau. Jedoch ist dieser südliche Teil des Plöner Sees nie im Linienverkehr befahren worden.
Auf diesem Gelände und am Steg mieteten auch die Gründungsmitglieder der SGFB ihre Liegeplätze vom damaligen Wirt der Gaststätte und gründeten dort am 11.6.1987(?? eher 1981) den Verein " Segler-Gemeinschaft Fährhaus Bosau", deren 1.Vorsitzender Klaus Petersen wurde.
Man ersetzte den baufälligen Steg in gewaltiger Eigenleistung durch die heutige Ponton-Anlage die René Heise entworfen und maßgeblich mit gebaut hat. Der Verein mußte einen Kredit aufnehmen, Bürgen mußten gefunden werden. Weger zunehmender Mißwirtschaft verlor die Holsten-Brauerei das Interesse an diesem Betrieb. Er sollte verkauft werden. Eine Teilung wurde nicht genehmigt. Was sollte aus dem Segelparadies werden?
Dr. Klaus Grisard führte die Verhandlungen. 1983 wurde eine Gesellschaft gegründet. Klaus Griesrad, René Heise, Klaus Ruser und die SGFB wurden Kommanditisten. Wieder gewaltige Anstrengungen. Der Verein pachtete das neben dem Lokal gelegene Grundstück "Zinn". Als dieses verkauft werden sollte, mußten die Mitglieder wiederum tief in die Tasche greifen. Das Gelände wurde 1987 Eigentum. 1992 schließlich konnte die Realteilung des Objekts Fährhaus Bosau durchgeführt werden. Wir erwarben damit den Parkplatz und unser schmuckes Seglerheim. Seither bemühen wir uns um Erhalt und Veschönerung
Dr. Dieter Möltgen, 1. Vorsitzender
Das gabs nur einmal ...!
1976 beschlossen wir, unsere "kleine Familie" in einen Zugvogel zu setzen und auf dem Plöner See das große Segelabenteuer zu suchen. Aber wo einen Liegeplatz finden?!
In Dersau durften wir nur vier Wochen als Gäste bleiben, und dann? ... legten wir am Fährhaus Bosau an: eine Motel-Anlage mit fast afrikanischem Ambiente (unsere Kinder liebten die Perlhühner im Gehege), chaotische Steganlage, aber nette Menschen. Und für 300 DM auf Janoskes Kralle – er war der Wirt – hatten wir überraschend einen Saisonliegeplatz. Die vielen krummen Pfähle muteten fast venezianisch an und waren eine besondere Herausforderung beim Ablegen.
Ein Türanschlag am Bosauer Fährhaus lud 1978 zur Gründungsversammlung einer Seglegemeinschaft ein: Mit Elan, technischem Know-How und viel Kraft und Ausdauer schufen die Gründungsmitglieder nach und nach die heutige Anlage. Manchmal hatten wir alle den Eindruck, nicht zum Segeln, sondern zu Bauarbeiten nach Bosau zu kommen!
Unvergessen der gemeinsame "Arbeitsdienst" bei der STRABAG in Trappenkamp unter Renés Leitung: Hier konnten sogar Lehrer inkognito punkten, wenn der Bohrer dank Einsatzes von Bohrmilch langer durchstand.
Unvergessen die Schweißaktion bei West 7 bis 8 mit Klaus Petersen: Ein Verkehrsschild diente mir als Wind- und Wasserabweiser, damit er das neue Steglager anbratzen konnte: Nichts war ihm verhasster asl wenn etwas "plünnerig" war.
Unvergessen die ersten Vereinsfeste und Juxregatten unter einfachsten Bedingungen: Mit Kind und Kegel hinter windschützenden Bauplanen um das Lagerfeuer versammelt.

... alte Zeiten
Unvergessen auch unser erster Platzwart Karl-Heinz Weilan, der auf dem neu hinzu gekauften Grundstück die grüne Hütte "verwaltete" und Bier und Eis bevorratete. Von ihm stammen "Weisheiten", die heute noch in unserer Familie bei passender Gelengenheit zitiert werden: "Kupper is verboten!" was verbotenes Antifouling meinte. Oder: "Gewitter hett sin eign Wind!" was jeder Wetterkundige sofort bestätige wird.
Über den Wirt hatte er sein Urteil gefällt: "Ick kenn em, he is'n Gauner!"
Unvergessen das "segelnde Spanferkel", das Willi und Hasso "sicher" zum Mitsommerfest auf das Lange Warder per Hobie brachten.
Unvergessen auch die Begegnung mit noblen PSV-Seglern, die beim Vatertagstreffen unvorischtigerweise unsere angebotenen Schinkenbrote annahmen und dafür höflicherweise ihre Lachsschnitten auf dem Silbertablett darreichten, die wir "haifischmäßig" wegfraßen.
So kommen uns viele Geschichten in den Sinn, wenn wir an 25 Jahre Freizeit im SGFB zurückdenken.
Wir danken allen für diese erlebnisreiche Zeit und wünschen der Segelgemeinschaft auch für die Zukunft Freude und Erfolg ... und viele neue Mitglieder!
Klaus und Käthe Guttenberger






